Süße Kunstwerke zu schade zum Verzehr
Hermann-Josef Kaptain backt "kleine" Brötchen und große Leckereien.

Für ihre "kleine Brötchen " ist die Bäckerei und Konditorei Kaptain in Eslohe bekannt. 

Täglich gehen hier Brot- und Süßwaren, Gebäck und Prälinés, alles Made in Eslohe, über die Ladentheke. Ein Stockwerk tiefer ist das Reich des Bäcker- und Konditormeisters Herman-Josef Kaptain. In der Backstube mit allen nur erdenklichen Knet-, Rühr- und Formmaschinen, arbeitet er Hand in Hand mit seinem Sohn Christoph und den Gehilfen. In einem Nebenraum, von den Enkelkindern 
liebevoll "Opas Wohnzimmer" genannt, ist nur er allein am Werk. Hier entsteht Unglaubliches. Meterhohe Torten und kunstvolle Marzipanfiguren wachsen aus goldenen Händen des Meisters.
Grundsätzlich schlägt Hermann-Josef Kaptain einem Kunden keinen Wunsch ab. Mag er auch noch so unrealistisch klingen. In der Backwerkstatt in Eslohe ist alles möglich.


Die Faszination Marzipan
Der 64jährige Hermann-Josef Kaptain sammelte in renommierten deutschen Konditoreibetrieben erste Erfahrungen mit dem Marzipan. Die Fingerfertigkeit und Kreativität, mit der er heute ganze Kunstwerke aus Marzipan fertigt, hat er sich zu einem großen Teil selbst angeeignet. Übung macht den Meister dachte sich der Zuckerbäcker und pflegte den ersten intensiven Kontakt mit der süßen Masse im Café Geller in Aachen. 

Dort war die Herausforderung in Sachen Marzipan sehr groß, erinnert sich Hermann-Josef Kaptain heute, 44 Jahre später.
Die erste Süßigkeit, die er modellierte, war eine Streichholz- schachtel. Nach Aachen zog es ihn in Konditoreigroßbetriebe wie das ehemalige Düsseldorfer Café Weitz. Im Meisterbetrieb auf der Königsallee war der Konkurrenzkampf groß. Zwei weitere Konditoreien wetteiferten damals mit dem jungen Konditor. Hermann-Josef Kaptain verbrachte oft ganze Nächte in der Backstube, um kleine und große Marzipanwerke zu schaffen.



Der Weg zum Konditormeister
Eine der schwierigsten Aufgaben bekam er dann auch im Café Weitz. Er sollte die Symbolfigur der Stadt Düsseldorf, den Radschläger, aus Marzipan modellieren, und dieser musste in eine spezielle, relativ kleine Kartonage passen. Das Problem war der Radschläger sollte plastisch und natürlich auch essbar sein. Hermann-Josef Kaptain fertigte Zeichnungen an und löste in tagelanger Arbeit dieses Problem. Der Radschläger zum Essen konnte in Serie gehen. In diesem Moment erkannte Hermann-Josef Kaptain seine Marzipanreife und entschied sich, den Konditormeister zu machen. Im März 1956 bestand er in München die Meisterprüfung mit der Note eins.


Schweine und Hundertmarkscheine schmecken köstlich
Die Familie Kaptain ist nun seit 22 Jahren in Eslohe und schreibt dort Konditoreigeschichte. Alle sechs Kinder und die Ehefrau sind von dem süßen Zauber angesteckt und arbeiten als Konditormeister oder Konditorfachverkäuferinnen. Wenn der Vater dann wieder einen Auftrag bekommt, der nicht zu lösen scheint, sind sie nicht mehr überrascht. Papa löst eben jedes Problem. Die 1,45 m hohe Geburtstagstorte steht und ist komplett essbar.

Die Tiere aus Marzipan sind einfach viel zu schade zum Verzehr, obwohl wirklich alles, was aus Hermann-Josef Kaptains Stübchens kommt, genießbar ist. Aber wer verspeist schon ein wunderschönes Kunstwerk, das in stundenlanger Arbeit mit viel Fingerspitzengefühl geschafften wurde. Da gibt der Maestro Kaptain noch einen guten Tipp. Die Schönheiten einfach mit Klarlack besprühen, und so bleiben sie ewiger Schmuck.

Quellen Angabe:
Erschienen in der Zeitschrift "Im Sauerland" in der Ausgabe Nr.1 im März 1995
Autor: Ines Bamfaste, Fotos: Andrej Heinemann

 

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